anna steegmann

Status Report: In Memoriam

Am 4. April 2011 brachte ich Roman zur Notaufnahme des Mount Sinai Krankenhauses. Sprache war mein Refugium in den dreiundzwanzig schreckenerregenden Tagen die darauf folgten. Ich wachte nach wenigen Stunden ruhelosen Schlafes auf und setzte mich an den Computer. Ich schrieb meinen Freunden und bat um ihre Hilfe und ihr Gebet. Ich gab ihnen die neusten Nachrichten nach der zwölfeinhalbstündigen Gehirnoperation. Ich berichtete von der Diagnose- Schwannoma - und meiner Erleichterung als ich herausfand, dass es ein gutartiger Tumor war. Ich schrieb über Komplikationen und Rückschläge, seinen Optimismus und seine Zukunftspläne. Er freute sich auf Weihnachten in Görlitz, Ostern in Wien und den Sommer in Venedig. Er versprach mir eine Reise mit der sibirischen Eisenbahn.

 

Am Mittwoch, dem 27. April, schrieb ich die letzte Nachricht: Roman ist heute Nachmittag gestorben. Ich schrieb den Nachruf für seine Gedenkfeier. Danach versagte sich mir die Sprache. Ich lebte in einem neuen Land, dem Land der Trauernden. Ich konnte meine Gefühle nicht in Worte und Sätze fassen. Sie waren zu wund und zu widerspenstig für Worte. Roman war mein Mann, mein bester Freund, mein Lebensgefährte der letzten 25 Jahre. Ein Verlust jenseits der Worte.

 

Ich hoffe, dass ich meinen Weg zum Schreiben zurück finde und sein Andenken ehre, in dem ich weiterlebe und weiter schreibe.

 

 

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